DATEV-Buchungsschlüssel: Vollständiger Praxisleitfaden
Umfassender Guide zu DATEV-Buchungsschlüsseln: Automatikkonto-Funktionen, BU-Schlüssel für Umsatzsteuer und Zahlungsbedingungen, praktische Anwendung und häufige Fehler in der digitalen Buchhaltung.
Überblick
DATEV-Buchungsschlüssel sind das Herzstück der automatisierten Buchhaltung in Deutschland. Sie steuern, auf welche Konten gebucht wird, wie Umsatzsteuer behandelt wird und welche Zahlungsbedingungen gelten.
Dieser Leitfaden erklärt die beiden Haupttypen – Automatikkonto-Funktionen und BU-Schlüssel – und zeigt mit praktischen Buchungsbeispielen, wie Sie sie korrekt in SKR03 und SKR04 einsetzen.
Das Wichtigste in Kürze
- ✓ Automatikkonto-Funktionen steuern die automatische Kontenfindung (z.B. welches USt-Konto verwendet wird)
- ✓ BU-Schlüssel kombinieren Steuersatz, Vorzeichen und Konto-Automatik in einem Code
- ✓ Standard-Schlüssel: 3 (USt 19%), 2 (USt 7%), 9 (VSt 19%), 8 (VSt 7%), 1 (steuerfrei)
- ✓ Skonto-Schlüssel (48, 19) buchen automatisch Erlös-/Aufwandsminderung und Steuerkorrektur
- ✓ Falsche Buchungsschlüssel führen zu fehlerhaften UStVA-Meldungen
Was sind DATEV-Buchungsschlüssel?
Definition und Zweck
DATEV-Buchungsschlüssel sind numerische Codes (meist 1-2 Stellen), die bei jeder Buchung angegeben werden und automatisch folgende Informationen steuern:
| Funktion | Beschreibung | Beispiel |
|---|---|---|
| Umsatzsteuer-Behandlung | Welcher Steuersatz gilt? | 0%, 7%, 19% |
| Automatikkonto-Findung | Auf welches Steuerkonto wird gebucht? | 1776 (SKR03) / 3806 (SKR04) |
| Vorzeichen | Soll oder Haben? | Aktivmehrung/-minderung |
| Besondere Buchungslogik | Spezielle Steuerbehandlung | Skonto, Reverse Charge, ig. Erwerb |
Die zwei Ebenen: Automatikkonto vs. BU-Schlüssel
Automatikkonto-Funktionen sind im Kontenplan hinterlegt und definieren die Beziehung zwischen Sachkonten und Steuerkonten:
| Sachkonto | SKR03 | SKR04 | Automatikkonto (USt 19%) |
|---|---|---|---|
| Erlöse 19% USt | 8400 | 4400 | → 1776 (SKR03) / 3806 (SKR04) |
| Bank | 1200 | 1800 | → Skonto-Konto bei Zahlungseingang |
BU-Schlüssel werden bei der Buchung gewählt und aktivieren die entsprechende Automatik:
| BU-Schlüssel | Bedeutung | Betrag |
|---|---|---|
| 1 | Umsatzsteuerfrei (mit Vorsteuerabzug) | Nettobetrag |
| 2 | Umsatzsteuer 7% | Bruttobetrag |
| 3 | Umsatzsteuer 19% | Bruttobetrag |
| 8 | Vorsteuer 7% | Bruttobetrag |
| 9 | Vorsteuer 19% | Bruttobetrag |
| 40 | Aufhebung der Automatik bei Automatikkonten | — |
Standard-BU-Schlüssel im Überblick
Die folgende Tabelle zeigt die offizielle DATEV-Belegung der BU-Schlüssel gemäß DATEV Hilfe-Center Dok. 1008613. Die Schlüssel 1–9 sind die im Buchungsalltag am häufigsten verwendeten; die 20er-Reihe (Generalumkehr) und 40 sind Sonderfälle.
Kernschlüssel (1–9)
| Schlüssel | Bedeutung | Steuersatz | Verwendung |
|---|---|---|---|
| 1 | Umsatzsteuerfrei (mit Vorsteuerabzug) | 0% | §4 UStG, Kleinunternehmer (§19 UStG), ig. Lieferung |
| 2 | Umsatzsteuer 7% | 7% | Verkauf ermäßigt besteuerter Waren (Lebensmittel, Bücher, E-Books) |
| 3 | Umsatzsteuer 19% | 19% | Standardfall Verkauf bei B2C/B2B-Ausgangsrechnungen |
| 4–7 | Historische Sondersätze | — | Corona-Absenkung 2020 (5%, 16%); heute selten benötigt |
| 8 | Vorsteuer 7% | 7% | Einkauf ermäßigt besteuerter Waren/Leistungen |
| 9 | Vorsteuer 19% | 19% | Standardfall Einkauf bei Eingangsrechnungen |
Merkhilfe: 1–3 = Ausgang (Umsatzsteuer auf Verkäufe), 8–9 = Eingang (Vorsteuer auf Einkäufe). Die Steuer auf den Schlüssel bezieht sich auf das Gegenkonto (DATEV-Konvention).
Generalumkehr (20er-Reihe)
Generalumkehr bedeutet: „dem Steuerschlüssel eine 2 voranstellen”. Sie kehren das normale Buchungsverhalten um (z. B. Haben statt Soll).
| Schlüssel | Bedeutung | Steuersatz | Verwendung |
|---|---|---|---|
| 20 | Generalumkehr — ohne Steuer | 0% | Stornoberichtigung, Rückbuchung |
| 22 | Generalumkehr — USt 7% | 7% | Storno bei USt 7%-Buchung |
| 23 | Generalumkehr — USt 19% | 19% | Storno bei USt 19%-Buchung |
| 28 | Generalumkehr — VSt 7% | 7% | Storno bei VSt 7%-Buchung |
| 29 | Generalumkehr — VSt 19% | 19% | Storno bei VSt 19%-Buchung |
BU-Schlüssel 40: Aufhebung der Automatik
| Schlüssel | Bedeutung | Verwendung |
|---|---|---|
| 40 | Aufhebung der Steuerautomatik bei Automatikkonten | Manuelle Buchung auf ein Automatikkonto ohne automatische Steuerzerlegung (DATEV gibt REW00310 aus, wenn BU 40 unzulässig eingegeben wird) |
Wichtig: BU-Schlüssel 40 hebt die Automatik auf — er ist kein Einkaufsschlüssel für 19% VSt (häufiger Irrtum). Für Einkauf mit 19% VSt ist BU 9 korrekt.
Weitere Spezialschlüssel (Auswahl)
| Schlüssel | Beschreibung | Typische Anwendung |
|---|---|---|
| 10–19 | §13b UStG / ig. Sachverhalte | Bauleistungen, Metall, Gas (BU 11), ig. Erwerb (BU 10) |
| 91–94 | Weitere §13b-Fälle | Mobilfunk, Tablet-PCs, Energielieferungen |
| 19 | Skonto bei Verkauf 19% USt | Automatische Steuerkorrektur bei Zahlungseingang |
| 48 | Skonto bei Einkauf 19% VSt | Automatische Vorsteuerkorrektur bei Zahlung |
Automatikkonto-Funktionen erklärt
Wie Automatikkonten funktionieren
Jedes Konto im SKR03/SKR04 kann mehrere Automatikkonto-Funktionen haben. Diese sind im Kontenplan hinterlegt und werden durch den BU-Schlüssel aktiviert:
Beispiel: Konto 8400 (SKR03) / 4400 (SKR04) “Erlöse 19% USt”:
- → Automatikkonto 10: 1776 / 3806 (USt 19%)
- → Automatikkonto 14: 1400 / 1200 (Forderungen aus LuL)
- → Automatikkonto 18: 8720 / 4730 (Erlösschmälerungen bei Skonto)
Standard-Automatikkonto-Funktionen
| Funktion | Nr. | Beschreibung | SKR03 | SKR04 |
|---|---|---|---|---|
| Umsatzsteuer 19% | 10 | USt-Konto für Verkauf | 1776 | 3806 |
| Umsatzsteuer 7% | 11 | USt-Konto ermäßigt | 1771 | 3801 |
| Vorsteuer 19% | 40 | VSt-Konto für Einkauf | 1576 | 1406 |
| Vorsteuer 7% | 41 | VSt-Konto ermäßigt | 1571 | 1401 |
| Debitor-Automatik | 14 | Kundenkonto bei Rechnung | 1400 | 1200 |
| Kreditor-Automatik | 54 | Lieferantenkonto bei Rechnung | 1600 | 3300 |
| Skonto-Erlösminderung | 18 | Erlösschmälerung 19% | 8720 | 4730 |
| Skonto-Aufwandsminderung | 58 | Aufwandsminderung 19% | 4736 | 6856 |
Praxis-Szenarien mit Buchungsbeispielen
Szenario 1: Warenverkauf mit Rechnung (BU 3 — USt 19%)
Ausgangslage: Verkauf von Waren für 1.190,00 € brutto (1.000,00 € netto + 190,00 € USt 19%). Der Kunde zahlt auf Rechnung mit 30 Tagen Zahlungsziel.
Buchung bei Rechnungsstellung:
| Konto | SKR03 | SKR04 | Soll | Haben |
|---|---|---|---|---|
| Forderungen aus LuL | 1400 | 1200 | 1.190,00 € | |
| Erlöse 19% USt | 8400 | 4400 | 1.000,00 € | |
| Umsatzsteuer 19% | 1776 | 3806 | 190,00 € |
BU-Schlüssel 3 (USt 19%): System erkennt Bruttobetrag, berechnet automatisch 1.190 € / 1,19 = 1.000 € netto und 190 € USt. Automatikkonto 10 (USt 19%) und 14 (Forderungen) werden angesprochen.
Buchung bei Zahlungseingang (30 Tage später):
| Konto | SKR03 | SKR04 | Soll | Haben |
|---|---|---|---|---|
| Bank | 1200 | 1800 | 1.190,00 € | |
| Forderungen aus LuL | 1400 | 1200 | 1.190,00 € |
Szenario 2: Einkauf mit Skonto (BU 9 + 48)
Ausgangslage: Wareneinkauf 5.950,00 € brutto (5.000,00 € netto + 950,00 € VSt 19%). Zahlungsbedingung: 3% Skonto bei Zahlung innerhalb 10 Tagen.
Buchung bei Rechnungseingang:
| Konto | SKR03 | SKR04 | Soll | Haben |
|---|---|---|---|---|
| Wareneingang 19% VSt | 3400 | 5400 | 5.000,00 € | |
| Vorsteuer 19% | 1576 | 1406 | 950,00 € | |
| Verbindlichkeiten LuL | 1600 | 3300 | 5.950,00 € |
Buchung bei Zahlung mit Skonto (3% = 178,50 €):
Skonto-Berechnung:
- Brutto-Skonto: 5.950,00 € × 3% = 178,50 €
- Netto-Skonto: 150,00 €
- VSt-Korrektur: 28,50 €
- Zahlbetrag: 5.771,50 €
| Konto | SKR03 | SKR04 | Soll | Haben |
|---|---|---|---|---|
| Verbindlichkeiten LuL | 1600 | 3300 | 5.950,00 € | |
| Bank | 1200 | 1800 | 5.771,50 € | |
| Erhaltene Skonti 19% | 4736 | 6856 | 150,00 € | |
| Vorsteuer 19% (Korrektur) | 1576 | 1406 | 28,50 € |
BU-Schlüssel 9 (VSt 19%) bei Rechnungseingang, BU-Schlüssel 48 bei Zahlung mit Skonto: BU 48 aktiviert automatisch Aufwandsminderung (Funktion 58) und Vorsteuerkorrektur (Funktion 40). Die Habenbuchung auf 1576/1406 korrigiert die ursprünglich zu hoch gebuchte Vorsteuer.
Szenario 3: Innergemeinschaftlicher Erwerb (BU 42)
Ausgangslage: Einkauf einer Maschine aus Italien für 10.000,00 € netto. Der italienische Lieferant hat eine gültige USt-ID, daher greift das Reverse-Charge-Verfahren.
Buchung:
| Konto | SKR03 | SKR04 | Soll | Haben |
|---|---|---|---|---|
| Wareneinkauf ig. Erwerb 19% | 3425 | 5425 | 10.000,00 € | |
| VSt ig. Erwerb 19% | 1574 | 1404 | 1.900,00 € | |
| Verbindlichkeiten LuL | 1600 | 3300 | 10.000,00 € | |
| USt ig. Erwerb 19% | 1774 | 3804 | 1.900,00 € |
BU-Schlüssel 42: Aktiviert sowohl Vorsteuer (Funktion 50) als auch Umsatzsteuer (Funktion 60) für innergemeinschaftlichen Erwerb. Das Ergebnis: 1.900 € VSt und 1.900 € USt heben sich auf → Zahllast-Effekt = 0 €.
Auswirkung auf UStVA:
- Zeile 89: Bemessungsgrundlage ig. Erwerb: 10.000,00 €
- Zeile 93: USt ig. Erwerb: 1.900,00 €
- Zeile 59: Abziehbare VSt: 1.900,00 €
BU-Schlüssel und Konten: so hängen sie in SKR03 und SKR04 zusammen
Ein BU-Schlüssel steht nie für sich allein. Er wird zusammen mit einer Buchung auf ein Sachkonto oder ein Personenkonto (Debitor/Kreditor) erfasst und entscheidet erst dort, welche Steuer- und Automatikkonten zusätzlich angesprochen werden. Die Kontenfindung läuft also in zwei Schritten:
- Sie buchen Konto gegen Gegenkonto, zum Beispiel Forderung gegen Erlöse.
- Der BU-Schlüssel aktiviert die Automatik, die im Kontenplan hinterlegt ist: Er zerlegt den Bruttobetrag in Netto und Steuer und bebucht das passende Steuerkonto.
Bei Rechnungen über Personenkonten übernehmen dabei die Debitor-Automatik (Funktion 14) und die Kreditor-Automatik (Funktion 54) die Sammelkonten: 1400 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen bzw. 1600 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen im SKR03, im SKR04 sind es 1200 (Forderungen) und 3300 (Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen).
Wann ersetzt das Automatikkonto den Schlüssel? Ist das angesprochene Sachkonto selbst ein Automatikkonto, steckt die Steuerlogik bereits im Konto. Beispiel: Auf 8400 (SKR03) bzw. 4400 (SKR04) “Erlöse 19% USt” ist die Funktion 10 hinterlegt, die Umsatzsteuer landet automatisch auf 1776 bzw. 3806. Sie müssen die Steuer weder selbst rechnen noch separat buchen. Soll die Automatik in einem Einzelfall ausnahmsweise nicht greifen, heben Sie sie mit BU 40 auf.
Typische Kombinationen aus Konto und BU-Schlüssel
| Vorgang | Konto SKR03 | Konto SKR04 | Typischer BU-Schlüssel |
|---|---|---|---|
| Ausgangsrechnung 19% USt | 1400 Forderungen aus LuL | 1200 Forderungen aus LuL | 3 (USt 19%) |
| Ausgangsrechnung 7% USt | 1400 Forderungen aus LuL | 1200 Forderungen aus LuL | 2 (USt 7%) |
| Eingangsrechnung 19% VSt | 1600 Verbindlichkeiten aus LuL | 3300 Verbindlichkeiten aus LuL | 9 (VSt 19%) |
| Eingangsrechnung 7% VSt | 1600 Verbindlichkeiten aus LuL | 3300 Verbindlichkeiten aus LuL | 8 (VSt 7%) |
| Zahlung einer Eingangsrechnung mit Skonto | 1600 gegen 1200 Bank | 3300 gegen 1800 Bank | 48 (Skonto Einkauf 19%) |
| Storno einer 19%-USt-Buchung | 1400 Forderungen aus LuL | 1200 Forderungen aus LuL | 23 (Generalumkehr USt 19%) |
| Manuelle Buchung auf ein Automatikkonto | 8400 Erlöse 19% USt | 4400 Erlöse 19% USt | 40 (Automatik aufheben) |
Die Steuerkonten selbst tauchen in der Erfassung nicht auf, sie werden über die Automatik angesteuert: Umsatzsteuer 19% auf 1776 (SKR03) bzw. 3806 (SKR04), Vorsteuer 19% auf 1576 (SKR03) bzw. 1406 (SKR04).
Was bedeutet BU-Schlüssel 3?
BU 3 ist der Standardschlüssel für Umsatzsteuer 19% und damit der häufigste Schlüssel bei Ausgangsrechnungen im B2B- und B2C-Geschäft. Sie geben den Bruttobetrag ein, das System rechnet daraus Netto und Steuer: 1.190 € / 1,19 = 1.000 € netto plus 190 € Umsatzsteuer. Angesprochen werden dabei die Automatikkonten 10 (Umsatzsteuer 19%, 1776 bzw. 3806) und 14 (Forderungen). Nach DATEV-Konvention bezieht sich die Steuer auf das Gegenkonto. Das Gegenstück auf der Einkaufsseite ist BU 9 (Vorsteuer 19%), der ermäßigte Satz läuft über BU 2 (USt 7%) bzw. BU 8 (VSt 7%).
Wofür steht BU-Schlüssel 40?
BU 40 hebt die Steuerautomatik bei Automatikkonten auf. Sie brauchen ihn, wenn Sie manuell auf ein Automatikkonto buchen wollen, ohne dass das System den Betrag automatisch in Netto und Steuer zerlegt. Zwei Punkte aus der Praxis:
- BU 40 ist kein Einkaufsschlüssel für 19% Vorsteuer. Das ist ein verbreiteter Irrtum, weil die Vorsteuer-Automatikkonto-Funktion ebenfalls die Nummer 40 trägt. Für den Einkauf mit 19% Vorsteuer ist BU 9 korrekt.
- Wird BU 40 an einer Stelle eingegeben, an der er nicht zulässig ist, meldet DATEV den Hinweis REW00310.
Was ist BU 94?
BU 94 gehört zur Reihe 91 bis 94, die weitere Fälle der Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers nach §13b UStG abdeckt, unter anderem Mobilfunkgeräte, Tablet-PCs und Energielieferungen. Es handelt sich also um einen Reverse-Charge-Schlüssel und nicht um einen normalen Vorsteuerschlüssel: Umsatzsteuer und Vorsteuer werden in einem Vorgang gebucht und heben sich in der Zahllast auf.
Welcher Schlüssel aus dieser Reihe im Einzelfall passt, entscheidet der Sachverhalt auf der Rechnung. Prüfen Sie deshalb vor der Buchung: Fällt die Leistung unter §13b UStG, ist der Leistungsempfänger selbst Unternehmer, und steht der Hinweis “Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers” auf der Rechnung? Falls ja, gehört der Vorgang auf einen §13b-Schlüssel und nicht auf BU 9. Für Bauleistungen ist das BU 11, für den innergemeinschaftlichen Erwerb BU 10 bzw. 42.
Häufige Fehler und Lösungen
Fehler 1: Brutto/Netto-Verwechslung
❌ Falsch
Rechnung: 1.190 € brutto
BU-Schlüssel 3 mit Betrag “1.000 €” (Netto eingegeben)
→ System rechnet: 840,34 € netto + 159,66 € USt
✓ Richtig
BU-Schlüssel 3 mit Betrag “1.190 €” (Brutto eingeben)
→ System rechnet: 1.000 € netto + 190 € USt
Lösung: Bei Steuer-Schlüsseln (2, 3, 8, 9) immer Bruttobetrag eingeben! Das System rechnet Netto und Steuer automatisch heraus.
Fehler 2: Skonto ohne Steuerkorrektur
❌ Falsch
Skonto als sonstiger Ertrag gebucht ohne Vorsteuerkorrektur
→ Vorsteuer in UStVA zu hoch!
✓ Richtig
BU-Schlüssel 48 verwenden
→ Automatische Aufwandsminderung + VSt-Korrektur
Folge des Fehlers: Finanzamt fordert Korrektur der Vorsteuer + ggf. Zinsen nach §233a AO.
Fehler 3: Innergemeinschaftlicher Erwerb ohne USt-ID-Prüfung
Problem: BU-Schlüssel 42 verwendet, aber Lieferant hat keine gültige USt-ID. Finanzamt erkennt ig. Erwerb nicht an → volle deutsche USt fällig (zusätzlich zur italienischen).
Lösung:
- Vor Bestellung: USt-ID über BZSt-Online prüfen
- Dokumentation: Qualifizierte Bestätigung ausdrucken und 10 Jahre archivieren
- Alternative: Bei fehlender USt-ID muss Lieferant deutsche USt berechnen
Fehler 4: Reverse Charge bei Bauleistungen vergessen
Problem: Deutsche Baufirma bucht Subunternehmer-Rechnung mit BU 9 (normale VSt 19%) statt BU 11 (§13b Bauleistungen).
Prüfschema für §13b UStG:
- Ist es eine Bauleistung, Gebäudereinigung, Metalllieferung oder Gaslieferung?
- Ist der Leistungsempfänger selbst Unternehmer dieser Branche?
- Steht “Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers” auf der Rechnung?
→ Falls ja: BU-Schlüssel 11 (§13b Bauleistungen) verwenden!
Fehler 5: 7% vs. 19% verwechselt
| Produkt/Leistung | Steuersatz | Hinweis |
|---|---|---|
| Bücher, Zeitschriften | 7% | Auch E-Books seit 2020 |
| Hotelübernachtung | 7% | Aber Frühstück = 19%! |
| Lebensmittel (Supermarkt) | 7% | Verzehr vor Ort = 19% |
| Blumen/Pflanzen | 7% | Floristik-Dienstleistung = 19% |
| Taxi (bis 50 km) | 7% | Über 50 km = 19% |
Lösung: Im Zweifelsfall §12 UStG konsultieren oder Steuerberater fragen!
Checkliste für korrekte BU-Schlüssel
Bei jeder Buchung prüfen
- Brutto oder Netto? Bei Steuer-Schlüsseln (2, 3, 8, 9) immer Bruttobetrag
- Richtiger Steuersatz? 7% oder 19%? §12 UStG beachten
- EU oder Drittland? Innergemeinschaftlich (BU 42/43) oder Import (BU 20)?
- Reverse Charge? §13b-Prüfung durchführen (BU 21)
- Skonto erhalten/gewährt? Steuer-Korrekturschlüssel (19, 48) verwenden
- Automatikkonto hinterlegt? Im Kontenplan prüfen
- USt-ID geprüft? Bei ig. Lieferungen BZSt-Bestätigung vorhanden?
- Belegnummer korrekt? Fortlaufende Nummern (GoBD)
Monatliche Kontrolle
- USt-Voranmeldung plausibel? Steuerkonten mit UStVA-Kennziffern abgleichen
- Skonto-Konten korrekt? Erlös-/Aufwandsminderung statt Ertrag/Aufwand
- Reverse-Charge-Buchungen komplett? USt und VSt beide gebucht?
Jährliche Prüfung
- Kontenstamm aktuell? Automatikkonten auf Richtigkeit prüfen
- Neue Gesetze beachtet? Steuersatzänderungen, neue §13b-Fälle
- Archivierung GoBD-konform? USt-ID-Prüfungen, Rechnungen, Buchungsbelege
Fazit
DATEV-Buchungsschlüssel sind mehr als nur Nummern – sie sind die Programmiersprache der deutschen Buchhaltung. Wer sie beherrscht, automatisiert 90% der Steuerlogik und vermeidet teure Fehler in der UStVA.
Die drei goldenen Regeln
- 1. Richtiger Schlüssel je Richtung: Verkauf = BU 2 (7%) oder BU 3 (19%); Einkauf = BU 8 (7%) oder BU 9 (19%); steuerfrei = BU 1
- 2. Bruttobetrag bei Steuer-Schlüsseln (2, 3, 8, 9) – System rechnet Netto + Steuer automatisch
- 3. Skonto mit Steuerkorrektur (19, 48) – niemals als Ertrag/Aufwand buchen
Wann zum Steuerberater?
- • Erstmalige Buchung von Reverse Charge oder innergemeinschaftlichem Erwerb
- • Unklare Steuersatz-Zuordnung (7% vs. 19%)
- • Komplexe Fälle: Dreiecksgeschäfte, Konsignationslager, Reihengeschäfte
Mit diesem Leitfaden haben Sie das Fundament für fehlerfreie, GoBD-konforme Buchhaltung – effizient und rechtssicher.
Rechtsquellen
DATEV-Quellen & BMF-Schreiben
Buchungsschlüssel — offizielle Belegung
DATEV Hilfe-Center Dok. 1008613 — maßgebliche Quelle für die Schlüssel 1–9, 20er-Reihe und 40
Grundlagenwissen Buchführung
DATEV Dok. 9211373 — S/H-Semantik (BU-Schlüssel bezieht sich auf das Gegenkonto)
01.10.2010 (laufend aktualisiert) · BStBl I Sondernummer 1/2010
Stand: Dezember 2025 · PDF-Download
28.11.2019 (geändert 11.03.2024) · BStBl I 2019, 1269
Offizielles Handbuch mit allen Anhängen
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