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SKR03 Passiva Verbindlichkeiten

Konto 1776

Umsatzsteuer 19%

Kontonummer

1776

Kontoart

Passiva

Kategorie

Verbindlichkeiten

Zusammenfassung

Das Konto 1776 (SKR03) bzw. 3806 (SKR04) bzw. 3730 (SKR05) “[Umsatzsteuer](/lexikon/glossar/umsatzsteuer “Umsatzsteuer - Definition und Bedeutung”) 19%” erfasst die auf Ausgangsrechnungen ausgewiesene Umsatzsteuer zum Regelsteuersatz. Die Umsatzsteuer ist eine Verbindlichkeit gegenüber dem Finanzamt und wird monatlich oder vierteljährlich in der Umsatzsteuer-Voranmeldung erklärt und abgeführt. Das Konto weist im Regelfall einen Habensaldo aus.

Verwendungszweck

Auf diesem Konto wird die Umsatzsteuer aus allen steuerpflichtigen Umsätzen mit 19% gebucht:

  • Verkauf von Waren
  • Dienstleistungen
  • Vermietung beweglicher Sachen
  • Innergemeinschaftliche Lieferungen (in bestimmten Fällen)

Berechnung der [Zahllast](/lexikon/glossar/zahllast “Zahllast - Definition und Bedeutung”):

Umsatzsteuer 19% (1776 SKR03 / 3806 SKR04 / 3730 SKR05)           + 10.000,00 €
- Abziehbare [Vorsteuer](/lexikon/glossar/vorsteuer "Vorsteuer - Definition und Bedeutung") 19% (1576 SKR03 / 1406 SKR04 / 1570 SKR05)  - 6.000,00 €
= Zahllast                         + 4.000,00 €

Steuerliche Aspekte

Regelsteuersatz: Der Regelsteuersatz beträgt seit 01.01.2007 19% (vorher 16%).

[Sollversteuerung](/lexikon/glossar/soll-versteuerung “Soll-Versteuerung - Definition und Bedeutung”) (Standard): Umsatzsteuer entsteht mit:

  • Leistungsausführung ODER
  • Vereinnahmung des Entgelts
  • Je nachdem, was FRÜHER ist

Bei Rechnungsstellung vor Leistung: USt sofort fällig.

[Istversteuerung](/lexikon/glossar/ist-versteuerung “Ist-Versteuerung - Definition und Bedeutung”): Nur bei Genehmigung (Vorjahresumsatz < 600.000 €):

  • USt erst bei Zahlungseingang fällig

Voranmeldung:

  • Monatlich: Bei Vorjahres-USt > 7.500 €
  • Vierteljährlich: Bei 1.000-7.500 €
  • Jährlich: Bei < 1.000 € (Kleinunternehmer)

Buchungsbeispiele

1. Ausgangsrechnung (Verkauf):

KontoSKR03SKR04SKR05Betrag
Soll: Forderungen LuL1400120013601.190,00 €
Haben: Erlöse 19% USt8400440050001.000,00 €
Haben: Umsatzsteuer 19%177638063730190,00 €

Buchungssatz (SKR03): Soll Forderungen LuL (1400) an Haben Erlöse 19% USt (8400) und Haben Umsatzsteuer 19% (1776)

2. Barverkauf:

KontoSKR03SKR04SKR05Betrag
Soll: Kasse100016001000595,00 €
Haben: Erlöse 19% USt840044005000500,00 €
Haben: Umsatzsteuer 19%17763806373095,00 €

Buchungssatz (SKR04): Soll Kasse (1600) an Haben Erlöse 19% USt (4400) und Haben Umsatzsteuer 19% (3806)

3. Monatliche Umsatzsteuer-Voranmeldung (Saldo ermitteln und abführen):

KontoSKR03SKR04SKR05Betrag
Soll: Umsatzsteuer 19%17763806373010.000,00 €
Haben: Abziehbare Vorsteuer 19%1576140615706.000,00 €
Haben: Verbindlichkeiten Steuern1740382035004.000,00 €

Buchungssatz (SKR05): Soll Umsatzsteuer 19% (3730) an Haben Abziehbare Vorsteuer 19% (1570) und Haben Verbindlichkeiten Steuern (3500)

4. Zahlung an Finanzamt:

KontoSKR03SKR04SKR05Betrag
Soll: Verbindlichkeiten Steuern1740382035004.000,00 €
Haben: Bank1200180012004.000,00 €

Buchungssatz (SKR03): Soll Verbindlichkeiten Steuern (1740) an Haben Bank (1200)

5. Skonto gewährt (Minderung USt):

KontoSKR03SKR04SKR05Betrag
Soll: Bank1200180012001.166,20 €
Soll: Erlösschmälerungen87364736520020,00 €
Soll: Umsatzsteuer 19%1776380637303,80 €
Haben: Forderungen LuL1400120013601.190,00 €

Buchungssatz (SKR04): Soll Bank (1800), Soll Erlösschmälerungen (4736), Soll Umsatzsteuer 19% (3806) an Haben Forderungen LuL (1200)

Häufige Fehler und Fallstricke

  1. Brutto statt Netto: Auf Erlöskonto nur Netto buchen, USt separat auf das Umsatzsteuerkonto (z.B. 1776 SKR03).

  2. Falscher Steuersatz: 7% für ermäßigte Güter (Lebensmittel, Bücher) gehört auf das Konto für Umsatzsteuer 7% (SKR03: 1771, SKR04: 3801, SKR05: 3731).

  3. Kleinunternehmer mit USt: Kleinunternehmer (§ 19 UStG) dürfen keine USt ausweisen.

  4. Reverse-Charge vergessen: Bei bestimmten Leistungen (Bauleistungen, §13b UStG) keine USt ausweisen, stattdessen greift das Reverse-Charge-Verfahren.

  5. Skonto falsch behandelt: USt muss proportional gemindert werden.

  6. Privatentnahmen ohne USt: Entnahme von Waren unterliegt der USt (unentgeltliche Wertabgabe).

  7. USt-Voranmeldung nicht abgegeben: Auch bei Nullmeldung ist Abgabe erforderlich.

Rechtstipps und Best Practices

Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.):

  • Beantragung beim Bundeszentralamt für Steuern
  • Erforderlich für innergemeinschaftliche Lieferungen
  • Validierung bei EU-Geschäften (VIES-Abfrage)

Reverse-Charge-Verfahren (§ 13b UStG): Keine USt ausweisen bei:

  • Bauleistungen (wenn Empfänger auch Bauleistungen erbringt)
  • Gebäudereinigung
  • Schrottlieferungen
  • Edelmetalllieferungen
  • Telekommunikationsleistungen

Innergemeinschaftliche Lieferungen:

  • An Unternehmen in EU: Steuerfrei (0%)
  • USt-IdNr. des Abnehmers prüfen
  • Gelangensbestätigung einholen
  • Zusammenfassende Meldung (ZM)

[Kleinunternehmerregelung](/lexikon/glossar/kleinunternehmerregelung “Kleinunternehmerregelung - Definition und Bedeutung”) (§ 19 UStG): Keine USt ausweisen, wenn:

  • Vorjahresumsatz < 22.000 €
  • Laufendes Jahr voraussichtlich < 50.000 €

Verzicht auf [Vorsteuerabzug](/lexikon/glossar/vorsteuerabzug “Vorsteuerabzug - Definition und Bedeutung”), aber:

  • Einfachere Verwaltung
  • Wettbewerbsvorteil bei Endkunden (kein Mehrwertsteueraufschlag)

Dauerfristverlängerung: Antrag für 1 Monat spätere Abgabe:

  • Bessere Liquidität
  • Kosten: Sondervorauszahlung 1/11 der Vorjahres-USt
  • Einmaliger Antrag per ELSTER

Ist- vs. Sollversteuerung:

Sollversteuerung (Standard): Vorteil: Vorsteuerabzug sofort Nachteil: USt vor Zahlungseingang fällig

Istversteuerung: Vorteil: USt erst bei Zahlung fällig Nachteil: Antrag erforderlich, Umsatzgrenze

Rechnungsstellung: Pflichtangaben (§ 14 UStG):

  • Name und Anschrift Leistender/Empfänger
  • Steuernummer oder USt-IdNr.
  • Rechnungsdatum
  • Fortlaufende Rechnungsnummer
  • Menge und Art der Leistung
  • Zeitpunkt der Leistung
  • Nettobetrag, Steuersatz 19%, Steuerbetrag, Bruttobetrag

Umsatzsteuer-Voranmeldung:

Elektronische Übermittlung (ELSTER):

  • Pflicht seit 2005
  • Authentifizierung erforderlich
  • Frist: 10. des Folgemonats

Kleinbetragsrechnung (§ 33 UStDV): Bis 250 € vereinfachte Angaben:

  • Name und Anschrift Leistender
  • Datum
  • Menge und Art
  • Entgelt und Steuerbetrag

Umsatzsteuer-Sonderprüfung: Finanzamt kann jederzeit Umsatzsteuer prüfen:

  • Unabhängig von Betriebsprüfung
  • Fokus auf USt-Recht
  • Rechnungen, Belege, Buchführung

Best Practice:

  • Korrekte Rechnungsstellung
  • Pünktliche Voranmeldung
  • Sorgfältige Dokumentation
  • ELSTER-Zertifikat einrichten
  • Bei Unsicherheit: Steuerberater konsultieren

Siehe auch

Verwandte Begriffe im Glossar: