Haben
Definition
Im Bereich der Buchführung bezeichnet der Begriff “Haben” die rechte Seite eines Kontos in der doppelten Buchführung. Es wird verwendet, um Erträge und Kapitalzuwächse zu erfassen und stellt die Passivseite der [Bilanz](/lexikon/glossar/bilanz “Bilanz - Definition und Bedeutung”) dar.
Bedeutung in der Praxis
In der Praxis ist das “Haben” ein zentraler Bestandteil der doppelten Buchführung, die von den meisten kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMUs) angewendet wird. Wenn ein Unternehmen beispielsweise Waren auf Kredit verkauft, wird dieser Verkaufserlös im Haben eines Ertragskontos verbucht. Das “Haben” ist somit entscheidend für die korrekte Ermittlung des Jahresüberschusses oder -fehlbetrags, da es die Erträge und Kapitalerhöhungen widerspiegelt.
Für KMUs bedeutet dies konkret, dass sie durch eine sorgfältige Verbuchung im Haben ihre finanzielle Lage und Performance besser überwachen können. Ein korrekt geführtes Haben-Konto ermöglicht es einem Unternehmen, seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen und gleichzeitig die Rentabilität zu steigern. Ein weiterer praktischer Aspekt ist die Kontrolle über Außenstände; offene [Forderungen](/lexikon/glossar/forderungen “Forderungen - Definition und Bedeutung”) werden im Haben gebucht, was eine regelmäßige Überprüfung der Liquidität ermöglicht.
Rechtliche Grundlagen
Die rechtlichen Grundlagen der Buchführung, einschließlich der Handhabung von Haben-Einträgen, sind im Handelsgesetzbuch (HGB) verankert. Insbesondere die §§ 238 - 263 HGB regeln die Buchführungspflichten, die auch für KMUs gelten. Diese Vorschriften verlangen eine ordnungsgemäße, nachvollziehbare und vollständige Buchführung, die auch die Grundsätze der [ordnungsmäßigen](/lexikon/glossar/ordnungsmaessigkeit “Ordnungsmäßigkeit - Definition und Bedeutung”) Buchführung ([GoBD](/lexikon/glossar/gobd “GoBD - Definition und Bedeutung”)) umfasst.
Im Jahr 2025 sind KMUs weiterhin verpflichtet, sicherzustellen, dass ihre Buchführung GoBD-konform ist, was auch die korrekte Erfassung von Haben-Transaktionen einschließt. Die Einhaltung dieser Vorschriften ist entscheidend, um steuerliche Nachteile und rechtliche Probleme zu vermeiden.
Praxisbeispiele
Hier sind einige Beispiele für Buchungen im Haben, jeweils mit Konten für [SKR03](/lexikon/glossar/skr03 “SKR03 - Definition und Bedeutung”) und [SKR04](/lexikon/glossar/skr04 “SKR04 - Definition und Bedeutung”):
| Geschäftsvorfall | Soll (SKR03) | Haben (SKR03) | Soll (SKR04) | Haben (SKR04) |
|---|---|---|---|---|
| Verkauf von Waren auf Rechnung (1.190€ inkl. 19% USt) | 1400 | 8400 | 1200 | 4400 |
| [Umsatzsteuer](/lexikon/glossar/umsatzsteuer “Umsatzsteuer - Definition und Bedeutung”) aus Warenverkauf (190€) | 1776 | 3806 | ||
| Aufnahme eines Bankdarlehens (10.000€) | 1200 | 3070 | 1800 | 0970 |
| Zinserträge (50€) | 1200 | 2650 | 1800 | 7100 |
Erläuterungen zu den Konten:
- Bank: SKR03=1200, SKR04=1800
- Forderungen aus Lieferungen und Leistungen: SKR03=1400, SKR04=1200
- Erlöse 19% USt: SKR03=8400, SKR04=4400
- Umsatzsteuer 19%: SKR03=1776, SKR04=3806
- Sonstige [Rückstellungen](/lexikon/glossar/rueckstellungen “Rückstellungen - Definition und Bedeutung”) (Darlehen): SKR03=3070, SKR04=0970
- Zinserträge: SKR03=2650, SKR04=7100
Beispiel 1: Verkauf von Waren auf Rechnung (mit Umsatzsteuer)
Ein Unternehmen verkauft Waren im Wert von 1.000€ netto zzgl. 19% Umsatzsteuer (190€). Der [Buchungssatz](/lexikon/glossar/buchungssatz “Buchungssatz - Definition und Bedeutung”) lautet:
- Soll Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 1400 (SKR03) / 1200 (SKR04) an Haben Erlöse 19% USt 8400 (SKR03) / 4400 (SKR04) (1.000€)
- Soll Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 1400 (SKR03) / 1200 (SKR04) an Haben Umsatzsteuer 19% 1776 (SKR03) / 3806 (SKR04) (190€)
Beispiel 2: Aufnahme eines Bankdarlehens
Ein Unternehmen nimmt ein Bankdarlehen in Höhe von 10.000€ auf. Der Buchungssatz lautet:
- Soll Bank 1200 (SKR03) / 1800 (SKR04) an Haben Sonstige Rückstellungen 3070 (SKR03) / 0970 (SKR04) (10.000€)
Beispiel 3: Zinserträge
Ein Unternehmen erhält Zinserträge in Höhe von 50€. Der Buchungssatz lautet:
- Soll Bank 1200 (SKR03) / 1800 (SKR04) an Haben Zinserträge 2650 (SKR03) / 7100 (SKR04) (50€)
Häufige Fehler
Ein häufiger Fehler ist die Verwechslung von [Soll und Haben](/lexikon/glossar/soll-und-haben “Soll und Haben - Definition und Bedeutung”), was zu falschen Buchungen und einer fehlerhaften Bilanz führen kann. Auch die unzureichende Dokumentation von Geschäftsvorfällen, die im Haben gebucht werden, stellt ein Problem dar und kann zu steuerlichen Nachteilen führen.
Ein weiteres Missverständnis besteht darin, Einnahmen nicht rechtzeitig und vollständig im Haben zu erfassen, was die finanzielle Analyse erschwert.
Tipps für KMUs
- Regelmäßige Schulung: Investieren Sie in Schulungen für Ihr Buchhaltungspersonal, um Verwechslungen zwischen Soll und Haben zu vermeiden.
- Softwarelösungen nutzen: Verwenden Sie Buchhaltungssoftware, die GoBD-konform ist, um die korrekte Erfassung im Haben sicherzustellen.
- Konten regelmäßig abstimmen: Führen Sie regelmäßige Kontenabstimmungen durch, um Fehler frühzeitig zu erkennen und zu korrigieren.
- Externe Beratung: Ziehen Sie bei Unsicherheiten einen Steuerberater hinzu, um rechtliche und finanzielle Probleme zu vermeiden.
- Dokumentation: Stellen Sie sicher, dass alle Geschäftsvorfälle, die im Haben erfasst werden, ordnungsgemäß dokumentiert sind.
Siehe auch
Der Begriff “Haben” steht in engem Zusammenhang mit dem “Soll”, das die linke Seite eines Kontos darstellt. Beide zusammen bilden den Buchungssatz, der das Kernstück der doppelten Buchführung ist. Weitere Informationen finden Sie unter Soll, Buchungssatz und Doppelte Buchführung.