Wertberichtigung
Definition
Eine Wertberichtigung ist eine buchhalterische Korrektur, die zur Anpassung des Buchwerts von Vermögenswerten erfolgt, um deren aktuellen Marktwert oder realisierbaren Wert widerzuspiegeln. Sie ist notwendig, wenn der Wert eines Vermögensgegenstandes dauerhaft unter seinen ursprünglichen Buchwert gesunken ist.
Bedeutung in der Praxis
Für kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) ist die korrekte Durchführung von Wertberichtigungen essenziell, um ein realistisches Bild der finanziellen Lage zu gewährleisten. In der Praxis kommt es häufig vor, dass Kunden ihre Rechnungen nicht begleichen, wodurch [Forderungen](/lexikon/glossar/forderungen “Forderungen - Definition und Bedeutung”) teilweise oder ganz uneinbringlich werden. Hier greifen Wertberichtigungen, um die Bücher zu bereinigen und potenzielle Verluste sichtbar zu machen.
Ein KMU könnte beispielsweise eine Wertberichtigung vornehmen, wenn ein Kunde insolvent wird und die Rückzahlung einer großen Rechnung unwahrscheinlich wird. Durch die Anpassung der Forderungen in der [Bilanz](/lexikon/glossar/bilanz “Bilanz - Definition und Bedeutung”) wird das [Eigenkapital](/lexikon/glossar/eigenkapital “Eigenkapital - Definition und Bedeutung”) nicht überbewertet, was wichtig für die Bonität und das Verhältnis zu Banken ist.
Wertberichtigungen sind nicht nur für Forderungen relevant, sondern auch für materielle und immaterielle Vermögenswerte. Wenn beispielsweise eine Maschine an Wert verliert, weil sie veraltet ist oder der Marktpreis sinkt, muss dies in den Büchern festgehalten werden. So wird verhindert, dass die Unternehmensbilanz unrealistisch positive Werte darstellt.
Rechtliche Grundlagen
Die gesetzliche Grundlage für Wertberichtigungen findet sich im Handelsgesetzbuch (HGB). Nach § 253 HGB sind Vermögensgegenstände mit dem niedrigeren Wert anzusetzen, wenn dieser dauerhaft unter dem ursprünglichen Anschaffungswert liegt. Diese Regelung ist auch für das Jahr 2025 gültig und bleibt ein zentraler Bestandteil der deutschen Rechnungslegungsvorschriften.
Darüber hinaus sind die [GoBD](/lexikon/glossar/gobd “GoBD - Definition und Bedeutung”) (Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff) zu beachten, die die generelle [Ordnungsmäßigkeit](/lexikon/glossar/ordnungsmaessigkeit “Ordnungsmäßigkeit - Definition und Bedeutung”) der Buchführung sicherstellen. Diese Grundsätze fordern eine klare und nachvollziehbare Dokumentation von Wertberichtigungen.
Praxisbeispiele
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Forderungsausfall: Ein KMU hat eine offene Forderung von 10.000 € gegenüber einem insolventen Kunden. Eine Wertberichtigung von 100% der Summe wird vorgenommen, um den realisierbaren Wert zu null zu setzen.
Konto [SKR03](/lexikon/glossar/skr03 “SKR03 - Definition und Bedeutung”) [SKR04](/lexikon/glossar/skr04 “SKR04 - Definition und Bedeutung”) Forderungsverluste 2400 6930 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 1400 1200 [Buchungssatz](/lexikon/glossar/buchungssatz “Buchungssatz - Definition und Bedeutung”): “Soll Forderungsverluste 2400 (SKR03) / 6930 (SKR04) an Haben Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 1400 (SKR03) / 1200 (SKR04)”
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Technologische Veralterung: Ein IT-Unternehmen besitzt Server mit einem Buchwert von 50.000 €. Aufgrund neuer Technologien sind diese nur noch 20.000 € wert. Eine Wertberichtigung von 30.000 € wird durchgeführt.
Konto SKR03 SKR04 Abschreibungen auf Sachanlagen 4830 6220 Wertberichtigung auf Sachanlagen (aktiv) (individuelle Konten) (individuelle Konten) Buchungssatz: “Soll Abschreibungen auf Sachanlagen 4830 (SKR03) / 6220 (SKR04) an Haben Wertberichtigung auf Sachanlagen (individuelles Konto)”
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Marktwertanpassung: Ein Einzelhändler hat Waren im Wert von 15.000 €, deren Marktwert auf 10.000 € gefallen ist. Eine Wertberichtigung von 5.000 € reflektiert den aktuellen Wert.
Konto SKR03 SKR04 Abschreibungen auf Vorräte (individuelle Konten) (individuelle Konten) Vorräte (individuelle Konten) (individuelle Konten) Buchungssatz: “Soll Abschreibungen auf Vorräte (individuelles Konto) an Haben Vorräte (individuelles Konto)“
Häufige Fehler
- Übersehen von Wertminderungen: Kleine Unternehmen übersehen oft, dass bestimmte Vermögensgegenstände an Wert verlieren und diese Wertminderung nicht in der Bilanz berücksichtigt wird.
- Fehlerhafte Einschätzung: Der Wertverlust wird nicht korrekt eingeschätzt, was zu überhöhten oder unzureichenden Wertberichtigungen führt.
- Unzureichende Dokumentation: Fehlende oder unvollständige Dokumentation der Gründe für Wertberichtigungen kann zu Problemen bei Prüfungen führen.
- Unkenntnis über die GoBD: Unwissenheit über die Anforderungen der GoBD kann zu nicht ordnungsgemäßer Buchführung führen.
- Zu späte Anpassungen: Wertberichtigungen werden nicht zeitnah vorgenommen, was die Bilanz verzerrt.
Tipps für KMUs
- Regelmäßige Überprüfung: Führen Sie regelmäßige Überprüfungen Ihrer Vermögenswerte durch, um rechtzeitig auf Wertminderungen reagieren zu können.
- Schulung der Mitarbeiter: Stellen Sie sicher, dass Ihre Buchhaltungsmitarbeiter mit den aktuellen gesetzlichen Anforderungen vertraut sind.
- Externe Beratung nutzen: Ziehen Sie bei Unsicherheiten externe Fachleute hinzu, um rechtliche und finanzielle Risiken zu minimieren.
- Dokumentation pflegen: Führen Sie eine detaillierte Dokumentation der Gründe und Berechnungen für jede Wertberichtigung.
- Proaktive Kommunikation: Halten Sie Ihre Banken und Investoren über wesentliche Wertberichtigungen informiert, um Vertrauen zu schaffen.
Siehe auch
- EWB (Einzelwertberichtigung): Bezieht sich auf die spezifische Anpassung einzelner Forderungen. Mehr unter [/lexikon/glossar/ewb].
- PWB (Pauschalwertberichtigung): Eine pauschale Anpassung von Forderungen, basierend auf Erfahrungswerten. Mehr unter [/lexikon/glossar/pwb].
- Forderungen: Offene Ansprüche eines Unternehmens gegenüber Dritten. Mehr unter [/lexikon/glossar/forderungen].