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Buchführung

Verlust

Definition

Ein Verlust in der Buchführung entsteht, wenn die Ausgaben eines Unternehmens die Einnahmen übersteigen. Er ist das Gegenteil von Gewinn und wird in der [Gewinn- und Verlustrechnung](/lexikon/glossar/gewinn-und-verlustrechnung “Gewinn- und Verlustrechnung - Definition und Bedeutung”) ([GuV](/lexikon/glossar/guv “GuV - Definition und Bedeutung”)) ausgewiesen.

Bedeutung in der Praxis

Verluste sind für kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) von großer Bedeutung, da sie die finanzielle Gesundheit eines Unternehmens stark beeinflussen. Ein häufiger Verlust kann darauf hindeuten, dass das Geschäftsmodell überdacht werden muss oder dass Kosten gesenkt werden sollten. Beispielsweise könnte ein kleines Einzelhandelsgeschäft feststellen, dass es im vergangenen Quartal mehr für Lieferanten und Betriebskosten ausgegeben hat, als durch Verkäufe eingenommen wurde. Solche Verluste können kurzfristig durch Einsparungen oder langfristig durch strategische Anpassungen ausgeglichen werden.

Für KMUs kann ein Verlust auch steuerliche Vorteile bieten, da er steuerlich geltend gemacht werden kann, um die Steuerlast zu senken. Ein weiteres Beispiel ist ein Start-up, das in den ersten Jahren Verluste macht, während es in Produktentwicklung und Marketing investiert. Diese Verluste können in den Folgejahren mit Gewinnen verrechnet werden, was die Steuerbelastung insgesamt verringert.

Rechtliche Grundlagen

In Deutschland regelt das Handelsgesetzbuch (HGB) die Buchführungspflichten, einschließlich der Behandlung von Verlusten. Paragraf 242 HGB verpflichtet Unternehmen, eine Gewinn- und Verlustrechnung aufzustellen. Verluste müssen darin korrekt ausgewiesen werden. Zudem sind die Grundsätze [ordnungsmäßiger](/lexikon/glossar/ordnungsmaessigkeit “Ordnungsmäßigkeit - Definition und Bedeutung”) Buchführung ([GoBD](/lexikon/glossar/gobd “GoBD - Definition und Bedeutung”)) zu beachten, die eine nachvollziehbare und korrekte Dokumentation aller [Geschäftsvorfälle](/lexikon/glossar/geschaeftsvorfall “Geschäftsvorfall - Definition und Bedeutung”) fordern.

Auch steuerlich sind Verluste relevant. Das Einkommensteuergesetz (EStG) erlaubt es, Verluste mit Gewinnen aus anderen Einkunftsarten zu verrechnen (Verlustverrechnung). Dies ist besonders für KMUs wichtig, um steuerliche Vorteile zu nutzen und Liquidität zu sichern.

Praxisbeispiele

Beispiel 1: Unerwarteter Umsatzrückgang im Restaurant

Ein Restaurant beschäftigt im Sommer mehr Personal und hat höhere Betriebskosten. Aufgrund eines unerwarteten Umsatzrückgangs entsteht ein Verlust.

[Buchungssatz](/lexikon/glossar/buchungssatz “Buchungssatz - Definition und Bedeutung”)[SKR03](/lexikon/glossar/skr03 “SKR03 - Definition und Bedeutung”)[SKR04](/lexikon/glossar/skr04 “SKR04 - Definition und Bedeutung”)
Soll: Löhne 4110 / 6010 an Haben: Bank 1200 / 1800Betrag in €Betrag in €
Soll: Miete 4210 / 6300 an Haben: Bank 1200 / 1800Betrag in €Betrag in €
Soll: Sonstige betriebliche Aufwendungen 4900 / 6900 an Haben: Bank 1200 / 1800Betrag in €Betrag in €

Beispiel 2: Überbewertung von Lagerbeständen im Online-Handel

Ein Online-Händler bewertet seine Lagerbestände zu hoch. Im [Jahresabschluss](/lexikon/glossar/jahresabschluss “Jahresabschluss - Definition und Bedeutung”) wird ein Verlust ausgewiesen, nachdem die tatsächlichen Umsätze geringer ausfielen.

  • Buchung (Bestandsminderung): Soll: Wareneingang 3400 (SKR03) / 5400 (SKR04) an Haben: Vorräte 3000 (SKR03) / 1000 (SKR04)

Beispiel 3: Forderungsverlust

Ein Unternehmen muss eine Forderung gegenüber einem Kunden abschreiben, da dieser zahlungsunfähig ist.

  • Buchung: Soll: Forderungsverluste 2400 (SKR03) / 6930 (SKR04) an Haben: [Forderungen](/lexikon/glossar/forderungen “Forderungen - Definition und Bedeutung”) aus Lieferungen und Leistungen 1400 (SKR03) / 1200 (SKR04)

Häufige Fehler

Ein häufiger Fehler ist die unzureichende Dokumentation von Verlusten, was zu steuerlichen Nachteilen führen kann. Manche Unternehmen vernachlässigen es, Verluste zeitnah zu verbuchen, wodurch die finanzielle Lage im Jahresabschluss verzerrt dargestellt wird. Zudem wird oft übersehen, dass Verluste auch in die Planung zukünftiger Geschäftsjahre integriert werden sollten, um strategische Anpassungen vorzunehmen.

Tipps für KMUs

  1. Regelmäßige Überprüfung: Führen Sie regelmäßige Finanzanalysen durch, um Verluste frühzeitig zu erkennen.
  2. Steuerliche Beratung: Ziehen Sie einen Steuerberater hinzu, um Verluste optimal steuerlich zu nutzen.
  3. Kostenkontrolle: Analysieren Sie Ihre Kostenstruktur und identifizieren Sie Einsparpotenziale.
  4. Strategieanpassung: Überdenken Sie Ihr Geschäftsmodell, wenn Verluste kontinuierlich auftreten.
  5. Dokumentation: Stellen Sie sicher, dass alle Verluste ordnungsgemäß dokumentiert und nachvollziehbar verbucht werden.

Aktuelle Regelungen (Stand 2025)

  • Digital-AfA (BMF 22.02.2021): Software/Hardware Nutzungsdauer = 1 Jahr
  • GWG-Grenze: 800€ netto (Sofortabschreibung)
  • Sammelposten: 250€ - 1.000€
  • Kleinunternehmergrenze: 22.000€ Vorjahr

Siehe auch

Der Begriff “Verlust” steht im direkten Zusammenhang mit “Gewinn” und der “Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)”. Während der Gewinn den positiven Überschuss der Einnahmen über die Ausgaben bezeichnet, ist der Verlust das Gegenteil. Die GuV bietet einen Überblick über beide Aspekte und ist ein zentrales Instrument der Unternehmenssteuerung. Weitere Informationen finden Sie unter Gewinn und GuV.

Verwandte Begriffe

Gewinn GuV