Software
Definition
Software bezeichnet Programme und Anwendungen, die auf Computern oder anderen elektronischen Geräten ausgeführt werden und zur Lösung spezifischer Aufgaben eingesetzt werden. In der Bilanzierung wird Software als immaterieller Vermögensgegenstand behandelt, der über einen bestimmten Zeitraum abgeschrieben wird.
Bedeutung in der Praxis
Für kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) ist Software ein essenzieller Bestandteil ihrer Infrastruktur, sei es für Buchhaltung, Kundenmanagement oder Produktionssteuerung. Die Investition in Software kann erhebliche Kosten verursachen, weshalb eine korrekte bilanzielle Erfassung und Abschreibung entscheidend ist. Beispielsweise kann ein Unternehmen Software für die Finanzbuchhaltung erwerben, die über ihre Nutzungsdauer hinweg abgeschrieben wird, um die steuerlichen Vorteile optimal zu nutzen.
Durch die Digitalisierung spielt Software zunehmend eine zentrale Rolle in der Wertschöpfungskette von KMUs. Unternehmen müssen daher nicht nur die Anschaffungskosten, sondern auch die laufenden Kosten für Updates und Wartung einplanen. Die richtige Bilanzierung dieser Kosten kann die Finanzlage eines Unternehmens erheblich beeinflussen und ist oft entscheidend für die strategische Planung.
Ein weiterer Aspekt ist die Unterscheidung zwischen Standardsoftware und speziell entwickelter Software. Während Standardsoftware häufig als Betriebsausgabe sofort absetzbar ist, muss individuell entwickelte Software aktiviert und über ihre voraussichtliche Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Diese Unterscheidung ist in der Praxis von großer Bedeutung, um steuerliche Vorteile zu nutzen und die Liquidität des Unternehmens zu schonen.
Rechtliche Grundlagen
Die Bilanzierung von Software in Deutschland ist durch das Handelsgesetzbuch (HGB) geregelt. Gemäß § 248 Abs. 2 HGB sind immaterielle Vermögensgegenstände zu aktivieren, sofern sie selbst erstellt wurden. Für gekaufte Software gelten die Regelungen des § 255 HGB zur Bewertung und Abschreibung.
Die steuerliche Behandlung erfolgt nach den Vorschriften des Einkommensteuergesetzes (EStG) und der Abgabenordnung (AO). Gemäß BMF-Schreiben vom 22.02.2021 beträgt die Nutzungsdauer für Software und Hardware in der Regel 1 Jahr (Digital-AfA). Die gesetzliche Grundlage dafür findet sich im § 7 EStG, der die Abschreibung von Wirtschaftsgütern regelt. Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) bis zu einem Wert von 800€ netto können sofort abgeschrieben werden. Für Wirtschaftsgüter mit einem Wert zwischen 250€ und 1.000€ netto kann ein Sammelposten gebildet werden.
Praxisbeispiele
Beispiel 1: Kauf einer Standardsoftware
Ein Unternehmen kauft eine Standardsoftware für 1.190,00 € (inkl. 19% USt). Die Software wird sofort als Aufwand gebucht, da die Nutzungsdauer laut BMF-Schreiben nur ein Jahr beträgt.
| Konto | [SKR03](/lexikon/glossar/skr03 “SKR03 - Definition und Bedeutung”) | [SKR04](/lexikon/glossar/skr04 “SKR04 - Definition und Bedeutung”) | Betrag |
|---|---|---|---|
| Aufwendungen für EDV-Software | 4960 | 6815 | 1.000,00 € |
| Abziehbare [Vorsteuer](/lexikon/glossar/vorsteuer “Vorsteuer - Definition und Bedeutung”) 19% | 1576 | 1406 | 190,00 € |
| an Bank | 1200 | 1800 | 1.190,00 € |
[Buchungssatz](/lexikon/glossar/buchungssatz “Buchungssatz - Definition und Bedeutung”): Soll 4960 (SKR03) / 6815 (SKR04) Aufwendungen für EDV-Software 1.000,00 € und Soll 1576 (SKR03) / 1406 (SKR04) Abziehbare Vorsteuer 19% 190,00 € an Haben 1200 (SKR03) / 1800 (SKR04) Bank 1.190,00 €.
Beispiel 2: Entwicklung einer eigenen Software
Ein Unternehmen entwickelt eine eigene Software. Die Entwicklungskosten betragen 50.000,00 €. Die voraussichtliche Nutzungsdauer beträgt 3 Jahre. Die Software wird als immaterieller Vermögensgegenstand aktiviert und über 3 Jahre abgeschrieben.
- Aktivierung der Software:
| Konto | SKR03 | SKR04 | Betrag |
|---|---|---|---|
| Aktivierte Eigenleistungen | 0070 | 0170 | 50.000,00 € |
| an Erträge aus aktivierten Eigenleistungen | 8830 | 4830 | 50.000,00 € |
Buchungssatz: Soll 0070 (SKR03) / 0170 (SKR04) Aktivierte Eigenleistungen 50.000,00 € an Haben 8830 (SKR03) / 4830 (SKR04) Erträge aus aktivierten Eigenleistungen 50.000,00 €.
- Abschreibung der Software (jährlich):
| Konto | SKR03 | SKR04 | Betrag |
|---|---|---|---|
| Abschreibungen auf immaterielle VG | 4810 | 6300 | 16.666,67 € |
| an Aktivierte Eigenleistungen | 0070 | 0170 | 16.666,67 € |
Buchungssatz: Soll 4810 (SKR03) / 6300 (SKR04) Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände 16.666,67 € an Haben 0070 (SKR03) / 0170 (SKR04) Aktivierte Eigenleistungen 16.666,67 €.
Beispiel 3: Cloud-basierte Software (Miete)
Ein Unternehmen nutzt eine Cloud-basierte Softwarelösung für 595,00 € pro Monat (inkl. 19% USt). Die monatlichen Gebühren werden als Mietaufwand gebucht.
| Konto | SKR03 | SKR04 | Betrag |
|---|---|---|---|
| Mietaufwendungen für Software | 4805 | 6305 | 500,00 € |
| Abziehbare Vorsteuer 19% | 1576 | 1406 | 95,00 € |
| an Bank | 1200 | 1800 | 595,00 € |
Buchungssatz: Soll 4805 (SKR03) / 6305 (SKR04) Mietaufwendungen für Software 500,00 € und Soll 1576 (SKR03) / 1406 (SKR04) Abziehbare Vorsteuer 19% 95,00 € an Haben 1200 (SKR03) / 1800 (SKR04) Bank 595,00 €.
Häufige Fehler
- Verwechslung zwischen Betriebsausgaben und aktivierungspflichtigen Kosten.
- Unzureichende Dokumentation der Nutzungsdauer, was zu fehlerhaften Abschreibungen führt.
- Falsche Einschätzung der Nutzungsdauer, die zu überhöhten oder zu niedrigen Abschreibungsbeträgen führt.
- Nichtbeachtung gesetzlicher Änderungen zur Abschreibung von Software (Digital-AfA).
- Fehlende Unterscheidung zwischen selbst entwickelter und gekaufter Software.
- Nichtbeachtung der GWG-Grenze von 800€ netto und der Möglichkeit der Sofortabschreibung.
Tipps für KMUs
- Dokumentieren Sie die Softwarekosten sorgfältig und prüfen Sie, ob sie aktiviert werden müssen.
- Nutzen Sie steuerliche Beratung, um die optimale Nutzungsdauer für Abschreibungen festzulegen.
- Halten Sie sich über gesetzliche Änderungen zur Abschreibung von Software auf dem Laufenden (Digital-AfA, GWG-Grenze).
- Investieren Sie in Software, die wirklich zur Effizienzsteigerung beiträgt, um die Kosten zu rechtfertigen.
- Planen Sie regelmäßige Überprüfungen Ihrer Softwareinvestitionen, um Anpassungen an geänderte Nutzungsbedingungen vorzunehmen.
- Beachten Sie die Kleinunternehmergrenze von 22.000€ im Vorjahr, falls relevant für die [Umsatzsteuer](/lexikon/glossar/umsatzsteuer “Umsatzsteuer - Definition und Bedeutung”).
Siehe auch
Software steht in engem Zusammenhang mit Abschreibung, da Software als immaterieller Vermögensgegenstand abgeschrieben wird. Zudem zählt sie zu den immateriellen Vermögensgegenständen, die in der Bilanzierung besondere Beachtung finden müssen.